Turmbau zu Babel


Pyramidale Betriebssysteme

Als Pyramidensystem wird in der Betriebswirtschaft eine Unternehmensstruktur bezeichnet, die mit einer sehr geringen Anzahl von Angestellten, manchmal sogar nur durch den Geschäftsführer selbst, eine enorme Anzahl von Mitarbeitern und deren Einkünfte kontrolliert. Alle Entscheidungen werden in der Firmenleitung getroffen und hierarchisch nach unten weitergegeben. Eine kleine Anzahl von, meist als Freiarbeitende Selbständige agierende, Agenten kontrollieren ihrerseits wieder, von Ihnen abhängige Agenten. Am besten bekannt ist diese Struktur in Dienstleistungen für Produkteverkauf. Für Einzelheiten zur detaillierten Definition, Varianten des Systems und der gesetzlichen Regelung sei hier auf XXX verwiesen. Grundsätzlich ist dieses System für die betriebswirtschaftliche Organisation in den meisten Ländern vom Gesetzgeber verboten. Begründet wird dies dadurch, dass davon ausgegangen wird, dass diese Organisationsform auf einer Form der Ausbeutung beruht und deshalb als ungerecht im ethischen Sinne und unfair für den marktwirtschaftlichen Wettbewerb im politisch-volkswirtschaftlichen Verständnis eingestuft wird.

Pyramidale Umverteilung

Pyramidale Betriebssysteme werden also in zweierlei Hinsicht als schädlich betrachtet; ethisch und pragmatisch.
Der ethische Aspekt tritt oft vermehrt in den Vordergrund unter dem Aspekt der „Ausbeutung“. Wer wird aber durch wen und mit welchen Mitteln ausgebeutet? Pyramidale Betriebsorganisation basiert auf der Idee, dass eine zentrale Stelle die Produkte verwaltet, d.h. einkauft, teilweise lagert und vor allem die Marktstrategie und Preispolitik kontrolliert. Dies allein ist aber weder ausbeuterisch noch ein pyramidales System. Jede Verkaufszentrale und viele grössere Unternehmen organisieren sich in dieser Weise. Nun entsteht aber der Gewinn nicht einzig und allein dadurch, dass Produkte produziert und konsumiert werden, sondern dadurch dass sie zu einem geringeren Preis produziert werden als sie konsumiert werden. Dies macht also zusätzlich zur produktbezogenen Aktivität der Produktion, Verwaltung und Lagerung kundebezogene Aktivitäten wie der Aufbau und Pflege eines Kundennetzes, die Weitergabe der von der Zentrale entwickelten Produktinformationen (Preis, Kundenvorteil, Anwendung, etc.) und der Verhandlung, durch die der Kunde im Erfolgsfall bereitwillig den gewünschten Preis bezahlt, der dem Unternehmen einen relevanten Gewinn einbringt. Dieser Teil der Wertschöpfung findet ausserhalb des Unternehmens statt, wird sozusagen „outsourced“. Auch dies macht ein System nicht grundsätzlich Pyramidal oder „ausbeuterisch“. Viele Verkaufsnetze, die über selbständige Agenten und Zwischenhändler laufen funktionieren ähnlich.
Die Kernaussage von pyramidalen Unternehmen lautet aber, dass der frei arbeitende Mitarbeiter, sprich Verkäufer, den angebotenen Reichtum nicht durch erfolgreichen Verkauf des Produktes, der zwar Gewinn bringend ist doch gesamthaft oft im Bereich des Existenzminimums liegt, sondern durch das Anheuern von neuen Agenten. An jedem Mitarbeiter, die ein Agent in sein Netzwerk hinzuzieht verdient er mit. Dadurch wird ein gewisses Paradox geschaffen, dass ein Verkäufer Interesse hat seine eigen Konkurrenz mit zu entwickeln, in dem er eine finanziellen Gewinnbeteiligung an weiteren Verkäufern hat und diese automatisch in eine Position unter ihm in der Hierarchie gestellt werden. Damit wird die Schärfe der Konkurrenz verwässert, es wird vorgegaukelt, der Verkäufer könne in der Hierarchie aufsteigen – dabei vertieft er sie nur im gesamten – und er könne immer grössere Gewinne durch immer geringeren Aufwand erreichen. Vorteile dieser Organisationsform sind ein interner Ansporn, sich eine immer grössere Konkurrenz auf zu bauen, gleichzeitig immer mehr zu verkaufen, um in der Hierarchie erfolgreich zu bleiben. Dies führt zu höchster Arbeitsleistung – oder Ausstieg von weniger arbeitswilligen, nachdem diese andere Mitarbeiter dem Unternehmen zugeführt haben – und eine enorm schnelle Expansion des Unternehmens durch informelle Netzwerke. In der Regel werden die Käufer dazu verpflichtet eine gewisse Menge der Produkte im Voraus einzukaufen, um sie dann zu den Bedingungen des Unternehmens weiter zu verkaufen. Der Verkäufer übernimmt also drei Funktionen im Unternehmen. Wertschöpfung, eigene Sozialleistungen, übernahme von Risikokapital (Produkte) und Kreditvergabe (da Vorauszahlung). Die, wenn auch geringen Gewinne, der Mitarbeiter wachsen, solange der Markt wächst und die bestehenden Kunden das Produkt regelmässig konsumieren. Daher ist das System vor allem für Konsumgüter erfolgreich. Je höher oben in der Pyramide jemand ist, desto weniger tut er und desto mehr verdient er. Auch dies ist kein spezifischer Sachverhalt, der nicht auch in anderen Organisationsformen vorkommt.

Schneeballsysteme

Eine Weiterführung dieses Prinzips ist das Schneeballsystem. Der einzige Unterschied liegt darin, dass nun gar nichts mehr im Unternehmen produziert wird. Die Verkäufer machen keinen gewinn mehr, in dem sie ein Produkt direkt oder durch Unterhändler, weiter verkaufen, sondern dadurch, dass sie immer wieder neue Verkäufer dazu gewinnen. Dieses System basiert letzten endes auf einem elegant verkleideten Betrug.
Um es an einem Bild zu verdeutlichen könnte solch ein System folgende Gestalt annehmen. Man schlägt jemandem vor für 12 Franken ein Stück Land zu pachten in das dann für eine gewisse Zeit zehn Ein-Franken-Stücke gesät werden. Haben diese Stücke sich mit der Zeit vermehrt, kann der Investor den erzielten Gewinn behalten, wenn nicht fällt alles an den Grundbesitzer. Der Investor hat aber auch die Möglichkeit für 12 Franken ein solches Stück Land zu pachten und es an einen weiteren Investor für 14 Franken weiter zu verpachten. Dann behält er in jedem Fall die 2 Franken. Die anderen 12 Franken muss er ja für seine eigen Pacht aufwenden. Wenn ein Schneeballsystem so einfach strukturiert würde, würde es wohl von den meisten schnell durchschaut. Die meisten Menschen glauben auch heute noch nicht, dass man aus Geld allein Geld machen kann. Nur, eben, sind die meisten Schneeballsysteme viel intelligenter aufgebaut.

Betrug oder Ausbeutung?

Die Frage, ob ein Wirtschaftssystem betrügerisch, ungerecht oder fair ist lässt sich auf einen Entscheidungspunkt reduzieren. Gibt es einen Wertzuwachs und wird das Kapital, das für diesen Wertzuwachs beigesteuert wird auch von dem investiert, der den Gewinn davon trägt. Diese Frage scheint in der Theorie viel einfacher, als sie sich in der Praxis darstellt. Dafür muss erst genau geklärt sein, was Wert und was Kapital ist.

Pyramidale Wirtschaftssysteme

Menschen investieren ihr Wissen, Können, Talent und Lebenszeit in einem Unternehmen und erhalten dafür Geld. Ein grosser Teil dieses Geldes wird darauf verwendet, Wissen, Können und Talent zu erhalten oder zu verbessern als zukünftiges Kapital, ein weiterer Teil wird für das Ausschalten von Konkurrenten und die Unternehmenstreue investiert (gemeinsame firmeninterne Aktivitäten, Lobbyarbeit, Imagearbeit) und für den physischen erhalt der Arbeitskraft (Wohnen, Essen, Ruhen). Der Rest kann dann in ein eigenes wirtschaftliches Projekt investiert werden, wozu meist die Zeit und Energie nicht mehr reicht, oder wird in einem Finanzinstitut angelegt.
Währen der Arbeitnehmer nur verdient solange er auch „gewinnbringend“ ist, verdient das Finanzinstitut in jedem Fall. Für das Verwalten von Geld wird eine Verwaltungshonorar entgegen genommen. Das Geld wird aber nicht wie die Münzen in die Erde verscharrt. Es wird vom Finanzinstitut weiter investiert. Theoretisch ist ein gewisser Betrag des Geldes versichert. Die neueste Geschichte hat aber gezeigt, dass in der Praxis, der Anleger nicht nur sein Vermögen verlieren kann, sondern auch noch die Verluste des Finanzinstitutes zu tragen hat, falls dieses Verluste bei seinen Investitionen macht. Da fragt sich der aufmerksame Leser, weshalb denn überhaupt jemand Geld in einem Finanzinstitut anlegt? Ähnlich wie in einem Casino, scheinen einige kleinere Erfolge in der Vergangenheit ein die Bereitschaft ein untragbares Risiko in der Zukunft einzugen zu gerechtfertigen. Doch dies ist noch nicht die ganze Geschichte. Geld ist ja nicht einfach ein materieller Wert, wie Steine, Edelmetalle oder Erde. Es ist vor allem eine Konvetion. Wieviel „Wert“ eine bestimmte Währung, z.Bsp. ein Franken hat, auch dies wird von Finanzinstituten reguliert. Meist geschieht dies aufgrund von Volkswirtschaftlichen Entwicklungen, die ebenfalls genau auf demselben Wert berechnet werden.

Zusammenfassend

Menschen erwirtschaften Güter
Güter und die geleistete Arbeit werden in Währungen berechnet
Währungen sind Werte, die von Finanzinstituten (und Gesetzgebern) reguliert werden
Währunge, die nicht sofort in Güter umgesetzt oder in die Produktion von Gütern investiert werden können werden, i.d.R. auf Finanzinstituten „angelegt“.
Finanzinstitute verteilen Währungen, die sie von anderen geliehen haben, um und investieren sie ihrerseits.
Im Falle von Verlusten trägt der Anleger das letzte Risiko, sogar über seine ursprüngliche Anlage hinaus.
Der „Wert“ der Währung selbst wird durch Finanzinstitute festgelegt (Interbank-Zinssätze, Kurswechsel) und sogar der Wert von ganzen Volkswirtschaften (Rating Agenturen)
Zum Finanzsystem gehören Zentralbanken, Banken, Gesetzgeber, Rating Agenturen
Das gesamte Wirtschaftssystem wird über die Währung durch Banken kontroliert.

Der Turm zu Babel oder die politische Philosophie von pyramidalen Systemen

Zusammenfassung der biblischen Geschichte…
Vermutlich ein Turm ähnlich den riesigen Kühltürmen im Persischen Qanat-System.
Trockensteinbauwerke – der letzte Stein in der Turmkuppel hält das ganze Bauwerk, zumindest die Kuppel zusammen.
Sinnbildlich – eine immer höhere Hierarchie im System ist entscheidend für die Existenz oder den Zusammenhalt des Systems. Fällt sie, fällt das ganze Gebilde zusammen.
Diese Rolle hat das Finanzsystem in der modernen Wirtschaft.
Deshalb gleicht die moderne Wirtschaft einem pyramidalen Schneeballsystem.