Einführung
Protestantische Werte,
gibt es solche überhaupt, oder sind dies allgmeine Werte, die auch
im Protestantismus auftauchen. Inwiefern sind protestantische Werte
konstante von der religiösen Orientierung abhängigen Werte und
inwiefern unterscheiden Sie sich einerseits von anderen
Religionsgemeinschaften wie dem Katolizismus, dem Budhismus oder dem
Islam und wie weit sind sie einheitlich und kongruent innerhalb der
protestantischen Bewegung, bergreifend in den verschiedenen
geographischen regionen (Schweizer Protestantismus, Deutscher
Protestantismus, protestantismus ausserhalb Europas) und
verschiedener Strömungen (Luther, Zwingli, Calvin, etc.)
Definition
Was wird heute als
protestantischer Wert vestanden?
Ein Schaukelpferd und ein
Holzpferd auf Rädern (Bild), welches trägt einen weiter? Ersteres
symbolisiert hier eine subjektivistische Denkweise, in der es keine
realität ausserhalb des Denkens gibt, oder aber, falls es sie gibt,
es logisch unmöglich sie zu erkennen. Letzeres steht für ein
lineares denken, das zu unterscheiden weiss was forne und was hinten
ist, den Protestantismus im Gegensatz zu fatalistischeren oder
relativistischen Glaubenssätzen.
Historische
Eckpfeiler
Wie sind protestantische
Werte entstanden? Sind diese Werte aufgrund des protestantischen
Glaubensbekenntnis gewachsen oder waren sie vorher schon existent und
waren die treibende Kraft des protestantischen Denkens?
Der Protestantismus
entstand in einer Zeit des Umbruchs. Das 16. Und 17. Jahrhundert
waren geprägt durch Kriege, die ganz Europa in Mitleidenschaft
zogen, Kriege hervorgerufen durch Ansprüche auf Vorherschaft, aber
auch aufgrund von einer aktiven Auseindandersetzung mit einer bis
dahin für lange Zeit als selbstverständlich und selbsterklärenden
gesehene Denkweise, dem Absolutismus und dem Glauben an die fatalität
des menschlichen Schiksals, dessen Sündhaftigkeit allein auf durch
die Gnade Gottes ins Reine gebracht werden kann, Erlösung durch Leid
und göttlich Gnade.
Neue Erkenntnisse in der
Wissenschaft, Newtons Gesetze, Darwins Theorien, neue
Produktionsmethoden in einer zuhnemend industrialisierten wirtschaft
„of scales“ und und polit-philosophische Schlussfolgerungen
aufgrund von Beobachtungen im Empirismus von John Locke standen in
Gegensatz zu dieser düsteren Fatalität und wurden daher auch als
Erläuchtung oder Enlightment, wie es auf hiess genannt. Diese
Veränderungen begleiteten oder wurden begleitet durch ein anderes
Denken. Es gibt eine objektive Wirklichkeit, von Gott geschaffen und
der Mensch durch seine Vernunft kann sie erkennen und hat auch die
ethische Pflicht danach zu leben, vernünftig zu leben. Neben der
Vernunft wird der Wunsch der Selbsterhaltung als ein gottgegebenes
Geschenk und eine Pflicht empfunden, die den Menschen vom Tiere
unterscheiden.
Aus diesem Denken heraus
entstehen auch die verschiedenen Bewegungen des Protestantismus.
Erlösung kann nicht mehr
nur durch Gnade erreicht werden sonder auch durch gutes Leben,
ethisches Verhalten, gute Werke. Dies erlöst den Menschen aus seiner
Ohnmacht, auferlegt ihm aber auch gleichzeitig eine Aufgabe deren
Lösbarkeit nicht gar so gewiss ist.
Soziologische
Eckpfeiler
Wo und wann hat sich das
protestantische Denken auf die Gesellschaftliche und politische
Ordnung ausgewirkt.
Weber-Merton
These
Max Weber beobachtete, dass der Glaube in die Werte
der Wissenschaft nicht aus der Natur geschlossen wurden, sondern ein
Produkt einer definierten Kultur sind (Weber).
Vorraussetzung für Wissenschaft ist eine besondere
soziale Ordnung, basierend auf stillschweigend akzeptierten Annahmen
und institutioneller Regulierung. So kann jegliche Veränderung in
der institutionellen Struktur Veränderungen, Stärkung aber auch
Auflösung der Wissenschaft herbeiführen (Merton, 1938).
Damit zusammenhängende Werte sind humanitärer,
wirtschaftlicher, politischer und religiöser Natur.
Ablehnung der Wissenschaft basiert auf 1. der Logik
(nicht unbedingt empirisch) (Merton, 1938)
2. Nicht logische Element, wissenschaftlicher Ethos
und Nichtübereinstimmung
Wissenschaft verstanden als grossangelegte
gesellschaftliche Aktivität zwischen Akzeptanz und Ablehnung
wissenschaftlicher Grundsätze.
Im direkten Gegensatz zum wissenschaftlichen Prinzip
steht der “Mann der Tat” (Merton, 1938).
Wissenschaft ist Macht (Merton, 1938) Die Ausdehnung
politischer Kontrolle auf die Wissenschaft führt zu
Loyalitätskonflikten. Aus soziologischer Sicht betrachtet gehört
auch die Wissenschaft zu den totalitären Systemen (Merton, 1938).
Weber sieht Leidenschaft, Verantwortlichkeit und
Distanz als Grundwerte des qualifizierten Politikers, Distanz das
Monopol auf Sachlichkeit. (Weber) Dienst an einer Sache, Politik wird
im Kopf gemacht. Männerbund und Männlichkeit, Ausschluss der Maria
und der Heiligen aus dem Protestantismus, Heiliger Geist ist
abstrahiert. Die Frage nach der Verantwortung (Weiblich) wird nach
der Frage nach der Konsequenz abgelöst (Eva). Das Warum wird ein
Wozu. In Politik und Religion der Unterschied zwischen Freund und
Fein (Carl Schmitt).
Die Männerbundideologie eine deutsche
Gesellschaftstheorie (Kreisky), elitäres, männerfixiertes
Kulturverständnis (kreisky).
Mehrheit zugunsten einer Minderheit entmachten
(Kreisky, Freud), Männliche Ethik mit Diskriminierungs und
Ausschliessungsregeln kulminiert in der Rechtstaatlichkeit (Kreisky).
Das gessellschaftlich-demokratische Problem.
Wissenschaftlicher Ethos beiinhaltet intelektuelle
Ehrlichkeit, Integrität, organisierter Skeptizismus,
Uninteressiertheit, Unpersönlichkeit. Die politisierte Gesellschaft
ist ihr Abwehmmechanismus. (Kreisky)
Die Reinheit der Wissenschaft (Kreisky) Toast at
Cambridge: “To pure mathematics, and may it never be of use to
anybody!”
Technologie hat der Wissenschaft zu
Gesellschaftlichem ansehen verholfen (Komputersimulationen,
Statistiken, Modelle). Wissenschaft braucht dieses Gesellschaftliche
Ansehen ebenso wie der Protestantismus. Dies ist aber auch die Quelle
ihrer Ablehnung, wenn zum Beispiel die gesamte Chemie als Sündenbock,
für chemische Waffen verantwortlich gemacht wird. (Kreisky).
Der “cult of unitelligibility”, man muss sehr
lange üben und normen lernen bevor man befähigt ist Wissenschaft
hervorzubringen oder zu verstehen.
Die Anleihe an die Autorität der Wissenschäft wird
zu einem mächtigen Prestige-Symbol für nicht-wissenschaftliche
Doktrin. (Kreisky).
Die Kirche lehnt immer noch eine textuelle Analyse
der Bibel von der Wissenschaft ab und sieht es als ein Vordringen der
Wissenschaft in einen Bereich, den sie nichts angeht (Kreisky).
Das Protestantische Erbe und Kapitalismus (geistige
Vorbedingung) (Max Weber 1904)
Trennung von Kirche und Religion im Protestantismus,
die Religion als Gesinnung, Orientierung im täglichen Leben.
Im 17 Jahrhunder, Wissenschaft wird nobel und
ehrenwert (vorher Herkunft, Loyalitäten, Dienste). Das Nützliche
wird dem schönen vorgezogen (Utilitarism vs. Aesthetik).
Nach Merton war das plötzliche interesse als
Wissenschaft im 17. Jh. Durch folgende externe Faktoren vorbedingt:
- Protestantische Ethik (Puritanismus)
Abgrenzung
Monotheistische
Judentum
Katolizismus
und Ortodoxie
Religiöse
Aspekte spielen insofern eine
Rolle,
als die katholische Prägung, wie Neurath betont, die Ausklammerung
metaphysischer
Fragestellungen
und Hinwendung zu logischen Analysen erleichtert, während der
protestantische Philosophie dieser Schritt
deutlich schwerer fiel.32
(Reimher, Merger – Oestereische Wertlehre)
Islam
Politieistische
Animismus
Hinduismus
Ateistische
Kommunismus
Säkularismus
Interne
Unterscheidung
Zwingli
Luther
Calvin
Protestantismus
im Wandel
Ursprünge
Protestantische Ethik:
- Berufung durch Gott
- Jeder weltliche Beruf ist göttliche Berufung
- Gottgefälliges Wirken nicht im Kloster sondern in der Welt
- Innerweltliche anstatt ausserweltliche Askese, Hingabe an Beruf
- Die Glorifizierung Gottes durch nützliches Wirken im Diesseits
- Nützliche Arbeit orientiert am Gemeinwohl
- “public service is God's greatest service”
- Der Segen der Vernunft
- Vernunft kontrolliert das Fleisch
- Nur Vernunft kann Gottes Werke würdigen
Kompatibilität von
Wissenschaft und Religion
Generell: Wissenschaftler
verteidigen Wissenschaft nicht gegen, sondern mit Religion (Locke)
- Nützlichkeit/Utilitarismus
- Auch heute noch dominante Legitimation von Naturissenschaft
- Wissenschaft zum Wohle der Menschheit und somit zum Gefallen Gottes
- “The Royal Society does not intent to stop at some particular benefit, but goes to the root of all noble inventions.”
- Weltlichkeit bezw. Empirismus
- Wissenschaftliche Arbeit ist eine religiöse Berufung
- Experimentieren= “ehrliches”, protestantisches Handwerk
- Gegensatz: Aristotelische, Katholische Kontemplation
- Kompatibilität von Wissenschaft und Religion
- Lobpreisung von Gottes Werken
- Experimentelle Wissenschaft würdigt den Schöpfer der Natur
- Natur entdecken = Schönheit von Gottes Werken entdecken
- Ziel wissenschaftlicher Aktivitäten ist “Glory of the Creator and the reliefe of man's estate” (Bacon)
Pradigmenwechsel
Protestantismus
heute
Das Ende der Monarchie bewegt durch den “Urchristlichen Gedanken”, der sagt “Es bedarf keiner Erläuterung, dass eine derartige Akzentuierung der Weitergabe natürlichen Lebens aus religiösen Vorstellungen vorchristlicher Zeit stammte.” (Karl Schmid, p.47)